Ein Herz für Kaffee

Wer freut sich nicht, wenn das lang ersehnte Heißgetränk nicht nur endlich von der Bedienung an den Tisch gebracht wird, sondern noch dazu mit einem Herzchen verziert ist. Was für ein tolles Gefühl, wenn nicht nur sprichwörtlich, sondern augenscheinlich mit Liebe gearbeitet wird. Neben dem Herz gibt es weitere Motive der sogenannten Latte Art, die nicht weniger aufwendig und schwierig zu lernen sind. Dabei ist der Kreativität der Milchschaum-Künstler keine Grenzen gesetzt. Unter Einsatz von Hilfswerkzeug wie Schablonen, Linearen und Stiften werden anschauliche Kunstwerke gezaubert.

Zuerst kommt die Milch

Bevor man sich an die Gestaltung des Kunstwerks macht, muss man die als angehender Latte Künstler die Basics perfektionieren. In diesem Fall sind das Temperatur und Konsistenz des Milchschaums. Klingt vielleicht trivial, ist es aber nicht. Bei der Milchtemperatur ist äußerste Vorsicht geboten. Geschäumte Milch sollte eine Temperatur zwischen 60 und 70 Grad Celsius haben, um den perfekten Geschmack zu erzeugen. Trifft man diesen Korridor, verleiht es der aufgeschäumten Milch eine leichte Süße und angenehme Frische. Schießt man temperaturtechnisch über das Ziel hinaus, schmeckt die milch leider schnell verbrannt.

Latte Art Kaffee

Bei der Konsistenz des Milchschaums sollte man ebenso konzentriert und genau vorgehen wie bei dessen Temperatur. Wir alle kennen den harten Milchschaum eines klassisch italienischen Cappuccinos, der sich wie ein kleiner, starrer Hügel über den Espresso legt. Um die perfekte Grundlage für Latte Art zu bieten, muss der Milchschaum viel feinporiger sein. Nur dadurch kann dieser beim Eingießen die Oberfläche des Espresso durchbrechen. Durch die geringere Dichte steigt der feine Milchschaum anschließend wieder nach oben. In Fachkreisen wird dieser besonders feinporige Schaum auch “Mikroschaum” genannt. Zu dessen Herstellung eignen sich Siebträgermaschinen oder Vollautomaten am besten, der Handrührer erfordert hunderte Übungs-Tassen und blanke Nerven.

Was ist jetzt mit dem Herz?

Nachdem du du den Espresso fachmännisch zubereitet hast und dein Milchschaum die perfekte Temperatur und Konsistenz hat, ist dein Handgeschick gefragt. Erheblich vereinfachen kannst du das Eingießen der Milch mit einer Kanne, die einen möglichst spitzen Schnabel hat. Bei der Zugabe des Milchschaums ist es wichtig, dass dieser in einem feinen, konstanten Strahl in die Tasse läuft. Dann heißt es zunächst kurz warten, ehe die Milch sich vom Tassenboden erhebt und an die Oberfläche des Kaffees wandert. Nun ist der perfekte Zeitpunkt gekommen und man kann vorsichtig beginnen, Muster und Formen in die Tasse zu gießen. Dabei sollte man gerade als Anfänger keinerlei Erwartungen oder Ansprüche haben. Egal wie perfekt der Milchschaum auch sein mag, die Abbildung von Formen wie Herzchen oder Blumen ist eine Wissenschaft für sich. Wer die für diese Kunstform erforderliche Geduld nicht aufbringen möchte, geht wohl besser weiterhin ins Café oder die Rösterei seines/ihren Vertrauens. In der Szene gehört es mittlerweile zum guten Ton, als Kaffeehausbetreiber zumindest Grundlagen der Latte Art zu beherrschen.

 

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