Zertifikate-Wirrwarr

Fair trade Kleidung, nachhaltige Mode und Eco Fashion

Was ein langweiliges Thema oder?... Gar nicht mal so richtig! Es geht hier um schädliche Chemikalien auf DEINER Haut? Klamotten made by children? fairen Lohn? und vieles mehr.

Es gibt unzählige, unternehmenseigene Zertifikate und unabhängige Siegel. Es ist fast unmöglich sich in diesem Dschungel zurechtzufinden. Eventuell hast du das ein oder andere Siegel schon mal gesehen oder davon gehört, aber was bedeuten die eigentlich?

GOTS, Fair Wear, der Grüne Knopf, Ökotext, Fair Trade,... Whaaaat?!

Um etwas Licht ins Dunkel zu bringen erfährst du heute, welche Siegel was bedeuten.

Lesezeit ca. 7min

Kritisch hinterfragen ist angebracht!

Die Siegel sollen nachhaltige (faire und soziale) Fashion kennzeichnen. Nachhaltigkeit bedeutet, dass mit unseren Ressourcen so umgegangen wird, dass die Bedürfnisse der zukünftigen Generation auch noch befriedigt werden können.

Allerdings spricht kaum ein Mensch bei Nachhaltigkeit von Konsumreduktion, sondern nur davon, weiter wie bisher, aber in „grün“, zu konsumieren. Moderner Ablasshandel ist das oder weniger drastisch ausgedrückt: das eigene Gewissen bereinigen. Die Big Player der Branche gehen da natürlich voran.

Meist werden Kampagnen der großen Unternehmen von einer immensen Flutwelle an tollen Siegeln supported. Oft sind es auch eigene Siegel, wie beispielsweise das H&M Conscious Collection Zertifikat. Man kann davon ausgehen, dass die Transparenz hinsichtlich dieser „nachhaltigen Siegel“ mangelhaft und unglaubwürdig ist. #Greenwashing

Wir stellen uns also folgende Fragen: "Wie wichtig sind Siegel?", "Für welche Werte stehen die einzelnen Zertifikate?" "Wie sind die Siegel zu bewerten?" und "Wo findet man die Siegel bereits?"

Kleine Firmen, die oft nachhaltig, fair und gewissenhaft arbeiten und auf bestimmte faire Standards achten, können sich oft die Lizenzrechte für ein Siegel nicht leisten. Hingegen gibt es größere Firmen, die sich ein Siegel leisten können, und oft unter weniger nachhaltigen Bedingungen produzieren, als Andere ohne Siegel.

Deshalb sind Siegel und Zertifizierungen bestimmt nicht das Maß aller Dinge. Die wichtigsten Fair Fashion Siegel zu kennen schadet aber nicht. Heute stellen wir dir die Siegel vor, nach welchen wir bereits herstellen und darüber hinaus, welche Zertifikate es noch so gibt.

ÖkoTex und BSCI

Sowohl ÖkoTex als auch der Verhaltenskodex (Code of Conduct) von BSCI sind für uns maßgeblich. Unsere Hersteller und Produzenten arbeiten nach den Kriterien der beiden folgenden Siegel.

Weshalb hat Snocks kein Siegel auf der Webseite oder den Produkten?

Unsere Produzenten handeln nach ÖkoTex und BSCI Vorschriften. Es kostet allerdings Geduld und Geld, bis man die Nutzungsrechte der einzelnen Siegel erhält. Vorher darf man die Siegel nicht auf der Webseite oder den Produkten abbilden.

BSCI

BSCI - Logo  
Die Business Social Compliance Initiative, ist eine Initiative, die Unternehmen aller Branchen beratend dabei unterstützt, ihre Lieferkette nachhaltig und sozialverträglich zu gestalten. Gemeinsam mit den Unternehmen entwickelt die BSCI 'Codes of Conduct', also interne Unternehmensrichtlinien, und hilft bei der Beauftragung von unabhängigen Prüfern oder Zertifizierern.


Kriterien:

  • Sichere und unbedenkliche Arbeitsbedingungen
  • Faire Verträge und Löhne
  • Antidiskriminierung am Arbeitsplatz
  • Keine Kinderarbeit
  • weitere Kriterien sind im Code of Conduct nachzulesen

Bewertung & Kritik:

  • Die Teilnahme ist auf freiwilliger Basis und die Audits werden innerhalb der Branche beauftragt.
  • Oftmals werden Subunternehmen nicht berücksichtigt, sondern nur direkte Lieferanten

Hier findest du das Siegel: 
Das Siegel wird nicht auf Produkte gedruckt, ist aber zB. bei Shirtsforlife zu finden

Öko-Tex

ÖkoTex - Logo  
Öko-Tex ist das am weitesten verbreitete Verbraucherschutz-Siegel: Es prüft die Schadstoffrückstände am Endprodukt. Die textile Produktionskette wird dagegen nicht untersucht. Der Standard hat je nach Hautkontakt vier Produktklassen. Zehn der elf „Detox“-Chemikaliengruppen sind berücksichtigt, dazu kommen weiteren Substanzgruppen. Auf der Produktebene ist Standard 100 inzwischen etwa so streng wie GOTS.


Kriterien:

  • Schadstoffarmut
  • Verbot von Azofarbstoffen und anderen gefährlichen Substanzen
  • Festlegung von Grenzwerten

Bewertung & Kritik:

  • Schadstoffe, wie Chlorbleiche, Schwermetalle, Pestizide sind erlaubt
  • Kein kontrolliert biologischer Anbau.
  • Keine Kontrolle des Herstellungsprozess, sondern reine Produktprüfung.
  • keine Sozialstandards oder Garantie für biologische Verarbeitung.

Hier findest du das Siegel: 
Produkte mit dem Oeko-Tex-100-Label sind sehr weit verbreitet – von Babykleidung über Kinderjacken bis hin zu Vorhängen.

Weitere Zerfitikate 

GOTS

Der Global Organic Textile Standard (kurz GOTS) steht für hohe ökologische Standards und die Einhaltung sozialer Standards in der Produktion. Der GOTS Standard ist das weltweit führende und wichtigste Umweltsiegel für Textilien

Kriterien:

  • Ein Produkt mit GOTS Kennzeichnung “Bio” bzw. “kba” muss mindestens zu 95% kontrolliert biologische fasern enthalten.
  • Ein Produkt mit der Kennzeichnung “hergestellt aus x% kba Fasern” mindestens 70%, dazu dürfen bis zu 30 Prozent Recyclingfasern beigemischt werden (Mischfaserkleidung ist allerdings nicht biologisch abbaubar noch wirklich recyclingfähig)
  • Orientierung an den ILO-Kernarbeitsnormen
  • Ausschluss von gesundheits- und umweltschädlichen Substanzen und Chemikalien, bspw. Azofarbstoffe, Chrom, Nickel, PVC uvm.

Bewertung & Kritik:

  • Eines der vertrauenswürdigsten Zertifizierungen
  • Keine Überprüfung sozialer Standards in der Rohstoffproduktion

Hier findest du das Siegel: 
Kleidung mit GOTS-Siegel gibt es in Online-Fair-Fashion-Shops und zunehmend auch bei großen Händlern wie Peek&Cloppenburg oder als Aktionsware in Supermärkten und Discountern.

Cradle to Cradle

C2C - Logo  
Von der „Wiege zur Wiege“ sollen alle Materialien beim Kreislaufkonzept Cradle to Cradle (C2C) geführt werden – ohne jeglichen Abfall zu produzieren. Dabei werden die Produkte bewertet nach Materialgesundheit, Wiederverwendung, erneuerbaren Energien, sozialer Fairness und Wasser.

Kriterien:

  • Alle Inhaltsstoffe werden identifiziert und auf ihre Materialgesundheit bewertet
  • Menschenrechte im Produktionszyklus werden untersucht und Maßnahmen zur Linderung gewisser Probleme erstellt.
  • Wiederverwendung
  • Einsatz von erneuerbaren Energien

Bewertung & Kritik:

  • C2C ist ein sehr umfassendes und teilweise anspruchsvolles System, aber für den Verbraucher aufgrund der vielen verschiedenen Bewertungsstufen schwer durchschaubar

Hier findest du das Siegel: 
C2C-zertifizierte Materialien verwenden einige Öko-Firmen wie z.B. Melawear.

Fair Wear Foundation

FWF - Logo  
2016 hat Fairtrade einen neuen Textilstandard veröffentlicht, der die ganze Lieferkette umfasst. Die Foundation setzt sich sehr glaubwürdig für eine Verbesserung der sozialen Bedingungen und existenzsichernde Löhne ein.


Kriterien:

  • Keine Diskriminierung am Arbeitsplatz
  • Keine Zwangsarbeit oder Kinderarbeit
  • Mindestlohn
  • sichere und gesunde Arbeitsbedingungen

Bewertung & Kritik:

  • Ziel ist es weltweit faire und menschengerechte Arbeitsbedingungen zu fördern
  • Die Stiftung macht Gesamtdaten öffentlich zugänglich.

Hier findest du das Siegel:
Rund 80 Unternehmen mit insgesamt etwa 120 Marken sind Mitglieder in der Fair Wear Foundation (FWF), darunter öko-faire Marken wie 
Hess NaturGrüne Erde oder Nudie Jeans.

Fair Trade

FairTrade - Logo  
Das Fairtrade-Gütesiegel garantiert nicht nur höchste Sozialstandards, sondern auch die Unterstützung von Familienbetrieben in der dritten Welt, nachhaltigen Anbau, ein Agrochemikalienverbot und Kernarbeitsnormen. Aber: Fairtrade-Baumwolle stammt nicht immer aus kontrolliert biologischem Anbau.


Kriterien:

  • Garantie zur Einhaltung sozialer Standards.
  • Umweltschonender Anbau und Schutz der natürlichen Ressourcen.
  • Förderung des Bio-Anbaus und Verbot gewisser Pestizide.

Bewertung & Kritik:

  • Hohe Sozialstandards.
  • Der Anteil an fair-gehandelten Rohstoffen ist im Endprodukt oft nicht klar erkennbar.

Hier findest du das Siegel: 
ThokkThokk, Manomama und weitere.

    Der Grüne Knopf

    Der grüne Knopf - Logo  
    Der Grüne Knopf ist das erste staatliche Textilsiegel, das verantwortungsvolle Unternehmen prüft und soziale und ökologische Nachhaltigkeit in der Textilproduktion auszeichnet.


    Kriterien:

    • 46 Sozial- und Umweltkriterien
    • Menschenwürdige Arbeitsverhältnisse wie zum Beispiel Arbeitsschutz, Mindestlöhne und ein Verbot von Zwangsarbeit im Fokus
    • Gleichzeitig legt das Siegel Wert auf eine umweltgerechte Produktion. Zum Start kontrolliert das Siegel die Bereiche der Konfektionierung und der Nassprozesse wie das Färben

    Bewertung & Kritik:

    • Als Metasiegel berücksichtigt der Grüne Knopf keine Unternehmen, die in ihrer Arbeit nicht auf Zertifikate setzen.
    • Ziel ist es, einen umfassenden Ansatz zu bieten. Die Grundidee ist gut, aber das Ding wird halbfertig auf den Markt geschmissen.
    • Beim Grünen Knopf wird die gesamte Faserebene ausgeblendet. Ein Tshirt, das fair in Rumänien hergestellt wurde, aber umweltschädliche Viskosefasern oder auf Teflon basierende Membranen, beinhaltet, würde den grünen Knopf erhalten.

    Hier findest du das Siegel: 
    Melawear, Tchibo, Vaude und ein paar mehr. Durch die Lückenhaftigkeit sind jedoch viele Unternehmen vom Grünen Knopf abgeneigt.

    IVN Best Siegel - Naturtextil

    IVN - Logo  
    IVN Best ist das anspruchsvollste Siegel und vorbildlich beim Thema Kreislauffähigkeit: Denn es lässt nur Naturfasern aus Bio-Anbau zu, die komplett biologisch abbaubar sind. Jegliche Synthetik und damit auch die schlecht zu recycelnden Mischfasern sind ausgeschlossen.


    Kriterien:

    • Die Fläche eines Textiles (also das eigentliche Gewebe ohne Reißverschlüsse, Futter, Knöpfe etc.) muss zu 100% aus Naturfasern bestehen, die aus kontrolliert biologischem Anbau stammen.
    • Minimierung von Abfall und Umweltbelastungen.
    • Verbot von Färbemitteln, die unter die Richtlinie 67/548 der EU fallen.
    • Für IVN-zertifiziertes Naturleder sollen nur als Nebenprodukt der Fleischgewinnung anfallende Tierhäute verarbeitet werden.

    Bewertung & Kritik:

    • Das derzeit sicherste Siegel mit höchsten Standards und Ansprüchen.
    • Öko- und Sozialsiegel.

    Hier findest du das Siegel: 
    z.B. Maas Naturwaren, Cotonea oder Engel Sports – also eher Naturtextil-Spezialisten. Insgesamt etwa 40 Marken und Produktionsbetriebe.

    Peta

    Peta - Logo  
    Um vegane Mode besser zu kennzeichnen, vergibt PETA ein kostenfreies Logo, das es tierfreundlichen Unternehmen ermöglicht, ihre veganen Modeartikel sowie ihr Engagement für die Tiere sichtbar hervorzuheben. So können Verbraucher auf einen Blick jene Produkte erkennen, für die kein Tier leiden musste.


    Kriterien:

    • Kein Tierleiden

    Bewertung & Kritik:

    • Vegan bedeutet keinesfalls Fair Fashion! Auch wenn ich es für gut heiße, dass keine Tiere für Kleidung ausgebeutet werden, sagt dieses Siegel allein nichts über die sozialen Produktionsbedingungen oder Umweltbedingungen eines Kleidungsstücks aus.

    Hier findest du das Siegel:
    ArmedAngles, Good Guys, People Tree und weitere, die auf der Peta Webseite angegeben sind.

    Zusammenfassung

    Nachhaltige Modelabels setzen bei Fair Trade Kleidung gezielt auf Rohstoffe aus fairem Handel. Die Labels GOTS und IVN garantieren dabei soziale Mindeststandards über die komplette Produktionskette hinweg. Um die Arbeitsbedingungen noch besser kontrollieren zu können, produzieren Marken faire Mode innerhalb Europas oder sogar in Deutschland. Wir fokussieren uns aktuell vor allem auf ÖkoTex & BSCI und wollen uns zukünftig vermehrt um die Transparenz unserer Supply Chain kümmern.

    Unsere Empfehlung:

    Abschließend gilt auch bei dieser Debatte: Das nachhaltigste Textil ist das Textil, welches nie gekauft wurde. Die beste Nachhaltigkeitskampagne ist die, die aufklärt und nicht nur ein Gewissen bereinigt.